venceremos
»Keine Versöhnung mit Deutschland«

Dokumentation Tag der Befreiung 2012: Eröffnungsredebeitrag

veröffentlicht am 16. May 2012

Hallo Liebe Menschen,

 

es ist mir ein Vergnügen, euch heute an diesem wunderschönen Tag zu unserer kleinen Feier begrüßen zu dürfen.

 

Doch bevor wir zu dem musikalischen Ameuse Gueule übergehen, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass wir uns in erster Linie als politische Gruppe verstehen.
Anders als die Piratenpartei, haben wir also Inhalte noch nicht überwunden und möchten euch diese ein wenig näher bringen. So wird es zusätzlich zu dieser kleinen Einleitung, nach dem Set von Max Beta noch einen Redebeitrag zum Thema Entnazifizierung geben. Für Interessierte gibt es danach, gegen 20 Uhr ein Befreiungsquiz im Kosmotique. Menschen die lieber mit Musik und Tanz feiern, können aber auch gerne hier bei uns bleiben und sich noch ein wenig von Krte?ek und Petz! mit tanzbaren Klängen unterhalten lassen.

 

Wie den meisten bekannt sein dürfte, fanden heute vor 67 Jahren der von den Deutschen begonne Krieg und der Nationalsozialismus, welche Millionen von Opfern forderten, ihr formales Ende. Doch ganz im Sinne deutscher Geschichtsverdrängung schenkt auch die sächsische Landeshauptstadt diesem Datum kaum Beachtung. Als vor einiger Zeit bei der Stadt nachgefragt wurde, warum denn der 8. Mai nicht von Interesse sei, erklärte ein Sprecher der Oberbürgermeisterin, dass es wichtigere Daten gäbe: etwa den 13. Februar, denn dieser sei noch „unmittelbarer" mit der Dresdner Stadtgeschichte verbunden.

 

Wir sehen das dann doch etwas anders. Nicht nur verwirrt uns der Gedanke, dass eine Etappe zur Befreiung wichtiger sein soll als die Befreiung an sich. Auch die Tatsache, dass eben dieses Etappenziel dann auch noch betrauert wird, beißt sich mit unserem Verständnis von Auseinandersetzung mit den historischen Tatsachen. Während von öffentlicher Seite der 13. Februar ausschließlich mit reflexiven Betrachtungen um die zerstörte Schönheit der barocken Idylle oder ähnlichem Opfergehabe begangen wird, eröffnet der 8. Mai als historisches Datum für uns die Perspektive der Befreiung. An diesem Tag markierte die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands das endgültige Ende von Shoah, Porajmos, Vernichtungskrieg und Weltherrschaftsphantasien der deutschen Volksgemeinschaft. Für uns ist dies Anlass genug, zu feiern und allen Menschen zu danken, die sich gegen den Nationalsozialismus gewandt haben.

 

Doch der Ort unserer kleinen Feier bietet Anlass für eine kritische Auseinandersetzung. Die hier zu sehende Statue des Bogenschützen etwa, wurde im Rahmen des Ausbaues des Neustädter Ufers als Flaniermeile der rassenreinen Bevölkerung aufgestellt. Sämtliche Gärten und Ufer-Anlagen sind nicht etwa Teil der barocken Dresdner Vergangenheit, sondern wurden während des NS von Zwangsarbeiter_innen angelegt. Dresden sollte architektonisch den Plänen folgen, die auch für Berlin vorgesehen waren und als eine Art Hauptstadt der Rassenhygiene herhalten. Die so erweiterte Altstadtseite bzw. deren Panorama sollte von diesen Promenadengärten und kleinen Parks aus bewundert werden können. Nicht der Volksgemeinschaft Zugehörige wie z.B. Jüdinnen und Juden war das Betreten untersagt. Der Bogenschütze war in dem Zusammenhang als eine Art martialisches Symbol gedacht. Zum einen als Zeichen für das wehrhafte, schöne, arische Volk, zum anderen ist auch seine Ausrichtung gen Osten bewusst gewählt, um so die Marschrichtung vorzugeben.

 

Heutzutage findet sich dieser Bogenschütze unter anderem als Logo der "Blauen Narzisse" wieder, einer rechtskonservativen Zeitschrift aus Chemnitz.
Doch während überall entlang der Elbe Infotafeln an die große Flut erinnern und mahnen, diese nicht zu vergessen, gibt es nahezu keinen Hinweis auf die Rolle Dresdens im Nationalsozialismus oder die Bedeutung von Symbolen wie etwa dem Bogenschützen oder auch den als Thingplatz angedachten Stufen, an denen jährlich die Filmnächte am Elbufer stattfinden und zur EM wieder tausende von Dresdner_innen wie besessen etwas abfeiern werden, was in seinem Wesen zutiefst nationalistisch, rassistisch und antisemitisch ist.

 

In dem Wissen, welcher Hintergrund mit diesem Ort verbunden ist, reizt es uns noch mehr, diesen Ort beim Tanzen mit Füßen zu treten und die zu feiern, die der Bogenschütze symbolisch fern halten sollte, nämlich die Allianz gegen die nationalsozialistische Volksgemeinschaft.

 

Doch nun erst einmal genug der Worte und viel Spaß beim feiern - denn wer nicht feiert, hat verloren! Nie wieder Deutschland!