venceremos
»Keine Versöhnung mit Deutschland«

Keine Versöhnung mit Dresden

veröffentlicht am 28. February 2010

(Eröffnungsredebeitrag von Demo am 12. Februar 2010)

 

"Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im sich selbst zum »Elb-Florenz« stilisierenden Dresden ist der Fürstenzug, ein großes und vor allem langes Mosaik in Schwarz, Weiß und Gold, das die Geschichte des sächsischen Herrschergeschlechts der Wettiner zeigt als zusammenhängenden Tross von Reitern und Fußvolk. Das Interessante an diesem aus edelsten Meißner Porzellanfliesen gefertigten Prunkbild ist die Richtung, in die sich das fürstliche Raum-Zeit-Kontinuum bewegt, nämlich rückwärts."

So steht es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift »Der Rechte Rand« und wahrhaft kaum treffender können die Dresdner Verhältnisse dieser Tage in Worte gefasst werden. Schon die derzeitigen Versuche der Stadt mit dem Problem des Nazi-Großaufmarsches, der bekanntlich morgen wieder einmal stattfinden soll, umzugehen, weisen alles andere als in eine glückliche Zukunft. Das Ersuchen der Versammlungsbehörden um ein Verbot der Nazidemonstration lehnte das Dresdner Verwaltungsgericht unlängst ab - das wäre ein zu harter Eingriff in das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Bezogen auf Gegenaktivitäten zum Naziaufmarsch sieht das "Urteil" des Verwaltungsgerichts allerdings ganz anders aus. Hier will das Verwaltungsgericht sein Urteil nämlich als Aufforderung an die Stadt verstanden wissen, konsequent gegen sogenannte "Störer" vorzugehen, "also solche, die den Neonazi-Aufmarsch offen verhindern wollen", anstatt Anstrengungen zu unternehmen, eben diesen Aufmarsch selbst zu verbieten. Eine durchaus selbst schon fragwürdige Idee wird postwendend mit einer Begründung abgelehnt, die die ganze falsche Motivation der Auseinandersetzung offen zu Tage treten lässt. Willkommen in Dresden, hier ist sowas normal!

Doch solch ein Verhalten kommt nicht von ungefähr, vielmehr hängt es zusammen mit einem für Dresden sehr eigentümlichen Blick auf die Vergangenheit, also auf die Bombardierung der Stadt vor nunmehr 65 Jahren. Die Erinnerung an dieses Ereignis, durch welches angeblich so viele Deutsche zu "Opfern des Krieges" wurden, gilt hier als unantastbar, wenn nicht gar als heilig. "Der 13. Februar ist für die Stadt zuerst ein Tag des Gedenkens. Und dieses Gedenken verträgt keinen lauten Protest", wie Oberbürgermeisterin Hemla Orosz es einst auf den Punkt brachte. Von mehr als nur symbolischen Protesten gegen Nazis will sie nichts wissen, dass Proteste gegen ein Gedenken an deutsche Opfer, welches im Kern zutiefst geschichtsrevisionistisch ist, für sie keine tolerierbare Meinung darstellen, versteht sich leider von selbst

Klar ist also: wer die Ruhe stört ist hier nicht erwünscht. Aber mehr noch: auch wer die Pietätlosigkeit besitzt und am 13. Februar nicht mitmachen will, beim allgemeinen Trauern um sogenannte "deutsche Opfer", wer sich also dem Trauerkollektiv zu entziehen wagt, auch der oder die hat es schwer in Dresden. Diese Erfahrungen mussten in den letzten Wochen etliche lokale Karnevalsvereine machen. Die für morgen geplanten Faschingsfeiern gerieten in der lokalen Presse heftig in die Kritik.

Die »Sächsische Zeitung« schreibt:
""Es ist eine Pietätlosigkeit, wenn man an einem solchen Tag öffentlich feiert", sagt Thorsten Tonndorf, Inhaber von "Dresden Buch" am Neumarkt, der sich für das Gedenken engagiert. Er ruft alle Narren auf, die Feierlichkeiten am 13. Februar abzusagen und stattdessen der Opfer zu gedenken. [...] Auch für die evangelische Landeskirche, die etwa die zentrale Gedenkfeier an der Frauenkirche organisiert, ist es eine Frage der Pietät. "Faschingsfeiern sind keine gute Geste in einer Stadt, die um ein würdiges Gedenken ringt", so ein Sprecher. Bei allen Veranstaltern sollten eigentlich die Alarmglocken bei diesem besonderen Datum läuten."

Angesichts dieser kaum verhohlenen Drohungen sah sich nun so mancher Karnevalsverein unter Zugzwang. Der »Dresdener Carneval Club« etwa verlegte daraufhin seine für morgen geplante Faschingsfeier auf den heutigen Abend, "die Dresdener hätten die Entscheidung akzeptiert", gibt ein Sprecher des Vereins in einem Interview zu verstehen. Der »Carnevalsverein Gebau« hingegen ist nicht bereit auf seine morgige Feier zu verzichten, räumt aber ebenfalls ein, während der Feier "mit einer Schweigeminute der Opfer des Bombenangriffs gedenken" zu wollen.

Aus ähnlichen Gründen geriet schließlich auch ein Großteil der Sächsischen Staatsregierung in die Kritik, denn nur ein Bruchteil des Kabinetts wolle an der für morgen geplanten Menschenkette teilnehmen, der symbolischen Verteidigung der Innenstadt gegen Extremistinnen und dem Gedenken an die Bombardierung der Stadt in einem. Als besonders unmöglich gelten der Sächsischen Zeitung dabei sowohl der Wirtschafts-, als auch der Umweltminister, denn diese hätten auf Nachfrage beide nicht einmal Gründe für ihr Fehlen angeben können.

Wer sich dem Trauerkollektiv zu entziehen wagt, hat es schwer in Dresden, daran besteht kein Zweifel. Und das selbst dann, wie die Beipsiele zeigen, wenn es bei dieser »Verweigerung« überhaupt gar nicht um die Demonstration einer inhaltlichen Kritik am Gedenken geht. Und dabei ist diese doch, wie die Beispiele ebenfalls aufzeigen, so bitter nötig.

Es gilt also heute für nichts geringeres auf die Straße zu gehen, als für den konsequenten Bruch mit deutschen Opfermythen, wie sie in Dresden auch in diesem Jahr ohne Wenn und Aber fortgeschrieben werden.

 


Deutsche Täterinnen sind keine Opfer!
Keine Versöhnung mit Deutschland!


Vorbereitungskreis "Keine Versöhnung mit Deutschland"

12.02.2010

 

 

<< zurück zur Übersicht