venceremos
»Keine Versöhnung mit Deutschland«

Die BILD, die Büttenrede und die Satire

veröffentlicht am 11. February 2011

"Schämt euch! Videofilmer verhöhnen die Bombenopfer" war am Donnerstag, dem 10. Februar 2011 in der Dresdner Lokalausgabe der BILD-Zeitung zu lesen. In der Mitte des Artikels prangt eine karnevaleske Abbildung des Sängers Torsun der Electroband Egotronic, im Hintergrund ist wahrscheinlich - eine Quellenangabe gibt es dazu selbstverständlich nicht - eine historische Aufnahme von Dresdner Trümmerfrauen zu sehen. Das Bild des Sängers ist unterschrieben mit "Ein scheinbar linker Video-Clown macht sich über die Dresdner Bombenopfer von 1945 lustig". Die Autorin des BILD-Artikels ist merklich schockiert.

Mit einer drei Minuten und 27 Sekunden langen »Büttenrede« wollen die offensichtlich linken Videofilmer auf die Neonazi-Aufmärsche am 13. und 19. Februar aufmerksam machen. Nur witzig ist keine einzige der über 20 Beleidigungen, die immer wieder mit einem Tusch und Gelächter »belohnt« werden.

"Makaber" findet die Autorin das alles und kommt am Ende zu einem sehr bemerkenswerten Schluss. "Dass Mobilmachen gegen den braunen Mob auch anders gehen kann" stellt sie schließlich mit Verweis auf das Bündnis »Dresden Nazifrei« fest. Und warum? Klar! Weil dieses Bündnis nämlich prominente Unterstützer wie etwa Smudo hat. Selbstverständlich, dass die BILD-Autorin das überzeugt, sind Geschichten über "Promis" doch das A und O einer jeden Ausgabe seit der Erfindung des Boulevard-Journalismus.

Was die Autorin verschweigt, ist die Tatsache, dass erwähnte Büttenrede selbst nur eine Reaktion auf Dresdner Unheimlichkeiten, die sich vor ziemlich genau einem Jahr zutrugen, darstellt. Der 13. Februar fiel 2010 auf einen Samstag und nur zwei Tage später sollte bereits Rosenmontag sein, das Faschingsfest folgte also laut Kalender unmittelbar darauf. Aus diesem Grunde hatten lokale Karnevalsvereine angekündigt, an jenem Wochenende bereits Faschingsfeiern zu veranstalten. Und genau dieses Vorhaben wurde dann beispielsweise in der Sächsischen Zeitung vom 27. Januar 2010 als "Pietätlosigkeit" und ähnliches niedergemacht, denn an diesem Tag der kollektiven Trauer und Ergriffheit gelte es nun einmal gemeinsam ernster Dinge zu sein, Zusammenzustehen und ein "würdiges Gedenken" abzuhalten und sonst nichts, Fasching feiern schon gar nicht!

In diesem Kontext kann die erwähnte Büttenrede nur begrüßt werden, somal der geschichtsrevionistische Charakter des alljährlichen Betrauerns vermeintlicher "deutscher Opfer" in Dresden mittlerweile landauf landab bekannt sein sollte. Es springt am Beispiel des BILD-Artikels, welcher den satirischen Gehalt der Büttenrede offensichtlich nicht versteht, einmal mehr ein Widerspruch ins Auge. Denn so pop es mittlerweile auch sein möge gegen Naziaufmärsche anlässlich des 13. Februars in Dresden zu sein -  es darf nicht vergessen werden, welchen Anteil das immer wieder aufs Neue zelebrierte Gedenken an die armen "Dresdner Bombenopfer" an genau diesem Nazispektakel trägt. Und auch ohne die Nazis bliebe das Dresden Gedenken geschichtsrevisionistisch und von Grund auf verkehrt. Um es also mit Torsun von Egotronic zu halten:

Passt auf jetzt kommt ein Schenkelklopfer, die Deutsche ware auch nur Opfer. Darauf wird herzlich ein gesoffe, hier hat's die Rischtische getroffe.