venceremos
»Keine Versöhnung mit Deutschland«

8. Mai 2011: Aufstand der Denkmäler in Dresden

veröffentlicht am 8. May 2011

Zum ersten Mal melden sich die Dresdner Denkmäler selbst mit einer eindeutigen Botschaft zu Wort: "13. Februar, ein Tag der Befreiung!"

„Der bisherigen Erinnerung an die Bombardierung Dresdens lag ein verheerendes Missverständnis zu Grunde, ein Missverständnis, welches bis zum heutigen Tage fortbesteht. Der Fehler besteht darin, an die Bombardierung der Stadt als ein zu betrauerndes, ein schreckliches, geradezu apokalyptisches Ereignis zu erinnern. Dabei ist doch das volle Gegenteil der Fall: am 13. Februar 1945 rückte die Befreiung der Welt vom Nationalsozialismus ein weiteres Stück näher. Ohne den erfolgreichen Luftkrieg der Alliierten in den letzten Kriegsjahren, wozu auch die Bombardierung Dresdens gehört, hätte die Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 nicht stattfinden können, hätte das zu allem entschlossene nationalsozialistsiche Deutschland vermutlich noch weit länger sein Unwesen treiben und seine Verbrechen an der Menschheit verüben können. Aus diesem Grunde nehmen wir, Denkmäler der Stadt, welche an deren Bombardierung vor nunmehr 66 Jahren erinnern, den heutigen 8. Mai zum Anlass, um unsere Freude zum Ausdruck zu bringen. Wir feiern den 8. Mai als Tag der Befreiung - und  wollen darauf hinweisen, dass es den 8. Mai ohne den 13. Februar nicht gegeben hätte. Folglich sind auch wir, Denkmäler zur Erinnerung an die Bombardierung der Stadt, nichts anderes als Orte der Erinnerung an die Befreiung der Welt von den Schrecken des Nationalsozialismus. Ab heute ist also endgültig Schluss mit den alten Missverständnissen, wir wollen nicht mehr länger als Mahnmale zur Erinnerung an die ,Deutschen Opfer' gesehen werden, wir stehen für die Befreiung und sonst nichts!“


Vom Dresdner Künstler Wieland Förster im Jahre 1983 erbaut, soll ich seitdem für „Schock, Verzweiflung und unvorstellbares Entsetzen“ stehen. „Dresden mahnt“ hat man mir auf den Sockel geschrieben. Doch damit ist nun Schluss, denn heute lass' ich mir die Freude nicht nehmen, denn auch ich stehe nicht für Entsetzen, sondern für Befreiung.


Seit 1965 stehe ich nun auf dem Dresdner Heidefriedhof, in einer Reihe mit Auschwitz, Coventry und Warschau. An die Schrecken des Zweiten Weltkrieges soll ich erinnern...


... Zu gern hätte ich in all den Jahren diesen Ort hier verlassen, denn es ist mir eine Qual hier zu stehen, ich empfinde nichts als Scham. An die Befreiung sollen die Leute denken, wenn sie mich sehen, daher habe ich heute zumindest einen Anfang gemacht und mich etwas passender gekleidet.


Seit noch nicht einmal einem Jahr stehe nun auch ich auf diesem unsäglichen Heidefriedhof. Aus dem Nachlass einer Dresdner Medizinerin finanziert, als Audruck ihres letzten Willens gewissermaßen, wurde ich hierher gestellt um den Rest meiner Tage ein Tränenmeer zu vergießen...


... Ganz falsch ist das nicht, nur sind es eben Freudentränen, die mir angesichts der Bombardierung der Stadt in den Augen stehen. Aus diesem Grund habe ich mich für den heutigen Tag besonders in Schale geschmissen, genau wie meine Denkmalsfreunde und zusammen machen wir heute so richtig Party!


Seit Jahrzehnten schon bin ich eines der wichtigsten Denkmäler zu Erinnerung an die Bombardierung der Stadt und werde jährlich mit Kranzniederlegungen im Rahmen nur alt zu verächtlicher Trauerfeiern gequält. Noch dazu hat man mir diesen Spruch vom „Höllenfeuer aus Menschenhand“ auf den Leib gezwungen. Heute habe ich zum Glück, sowie bezeichnenderweise, meine Ruhe und kann meiner eigentlichen Aufgabe nachgehen: Freude ausstrahlen. Es ist die Freude über das Ende des Nationalsozialismus, Freude über die Bombardierung Dresdens, die dieses Ende mit ermöglicht hat.