17.06.2010 NPD-Demonstration in Dresden, wenige Wochen später begleiteten beide Frauen antifaschistische Demonstrationen in Radeberg und Dresden
Am 19. September wurde auf dem Dresdner Heidefriedhof ein weiteres Denkmal zur Erinnerung an die Bombentoten vom 13.-15. Februar 1945 eingeweiht. Knapp 20 Nazis fanden sich bei der Veranstaltung ein, um „Protest gegen die demokratische Heuchelei in Szene zu setzen“. [1] So recht geklappt hat die Inszenierung jedoch nicht.
Ausschließlich Nazis aus dem Spektrum der „Freien Kameradschaften“ waren zur geplanten Aktion erschienen. Darunter die altbekannten Ronny Thomas, Sven Hagendorf und Sebastian Reiche, aber auch zahlreiche der jüngeren Generation u.a. Simon Richter, Philipp Göhler und Hans Böhm. Ihr Plan war – ähnlich wie am Todestag Rudolf Hess’ – aus mit Buchstaben bedruckten T-Shirts das Wort „Heuchler“ zu bilden. Das wurde jedoch durch anwesende Polizeikräfte unterbunden. Unter Diskussionen verließen die Nazis die Veranstaltung, posierten aber nochmal für ein Foto vor dem Heidefriedhof.
Bemerkenswert war die konfrontative Vorgehensweise der Nazis eine Veranstaltung zu stören, die - von Oberbürgermeisterin Orosz mal abgesehen - ohne politische Delegationen stattfand, an der nur Erlebnis- und Bekenntnisdresdner_innen teilnahmen. Direkte Kritik am Gedenken der Bürger_innen blieb bisher aus. Stattdessen gaben sich die Nazis hinsichtlich des 13. Februars immer betont anschlussfähig. Nicht ohne Erfolg, wie die aktuelle Debatte um ein zentrales 13. Februar-Denkmal auf dem Altmarkt zeigt: FDP und CDU greifen damit eine schon lange auch von den Nazis verbreitete Forderung auf.
Für den 17. Juni 2010 hatte ein eigens einberufener „Aktionskreis 17. Juni 1953“ zu
einem Gedenkmarsch für den so genannten „Arbeiteraufstand“ 1953 in der DDR
aufgerufen. Als Motto wurde „Damals wie heute: Alle Macht dem Volke“
ausgegeben. Hinter dem „Aktionskreis“ standen der NPD-Kreisverband-Dresden und
regionale „Freie Kräfte“ um den „nationalen Jugendarbeiter“ Maik Müller.
Zur
Kundgebung am Postplatz und der anschließenden Demonstration durch die
Innenstadt kamen etwa 160 Neonazis. Wenig überraschend waren darunter eine
Vielzahl der bekannten Dresdner NPD- und NBDD [2] -Kader und -AktivistInnen,
genauso die NPD-Landtagsfraktion und MitarbeiterInnen, aber auch eine knapp 25köpfige
Delegation westsächsischer NPDlerInnen, die zuvor am Tage den Landtag besucht
hatten. Auch eine Reihe der jüngeren Dresdner Neonazi-Schläger und weitere aktionsorientierte Nazis waren
gekommen.
Genauso
wenig überraschend war, dass die Demonstration vom „Ordnungsdienst“ der NPD
strukturiert wurde. Maßgebliche Funktionen nahmen dabei Maik Scheffler und
Thomas Sattelberg ein.
Als
Redner traten neben Jens Baur (NPD-KV-Dresden), Arne Schimmer
(NPD-Landtagsabgeordneter), Tommy Naumann (JN-Vorsitzender Sachsen) und Maik Müller
(„Freie Kräfte Dresden") auf.
Ca.
180 Gegendemonstrant_innen protestierten am Postplatz gegen die Nazis. Wie
schon üblich in Dresden, war die Kundgebung von Polizeiwagen umstellt und das
Ordnungsamt versuchte einmal mehr, einen für die Nazis möglichst ungestörten
Verlauf zu gewährleisten. Noch während die städtischen Vertreter_innen sich bemühten,
den Gegendemonstrant_innen weis zu machen, dass es bei einer Neonazi-Kundgebung
bliebe, besprachen Polizisten mit eben jenen deren Demonstrationsroute durch
die Innenstadt.
Bereits
am Vorabend hatten etwa 30 Nazis am Sachsen-Forum in Dresden-Gorbitz eine
Kundgebung zum Thema durchgeführt.
Im Sommer eröffnete am Altenberger Platz 5 in der Ladengalerie Dresden-Striesen
das „District 44“ Tattoo-Studio. Am gleichen Ort und unter selbem Namen befand
sich zuvor ein Hooligan-Laden, der auch in den Ermittlungen gegen die „Hooligans
Elbflorenz“ eine Rolle spielt. Hinter dem neu eröffnetten Tattoo-Studio steht
der 27-jährige Constantin Schuldt. Der gebürtige Bayer ist in der Naziszene
kein Unbekannter. 2002 war er für die „Kameradschaft Traunstein“ gemeinsam mit
einer Reihe führender bayrischer Nazis im „Aktionsbüro Süddeutschland“ aktiv.
Heute gibt Schuldt sich gemäßigter. Auf seiner Myspace-Seite verlinkte er eine
Zeitlang eine neurechte Initiative des ehemaligen CDU-Abgeordneten und
Rechtspopulisten aus Berlin, Rene Stadtkewitz. Auch in seiner Myspace-„Freundesliste“
finden sich eine Reihe neonazistischer Kontakte.
[1] so der Bericht auf netzwerkmitte.com
[2] Nationales Bündnis Dresden, aufgelöst zum Jahresende 2010