Lößnitz-Druck in Radebeul

 

 

 

Lößnitz-Druck GmbH arbeitet nicht mehr für die NPD

Anhänger der Heimattreuen Deutschen Jugend diente als Kontaktmann

ART Dresden, Dezember 2007

„Ich hätte nie gedacht, dass ich damit so ein Problem bekomme“. "Jetzt haben wir alles gestoppt und drucken nichts mehr für die NPD."(1) Die beiden wichtigsten Sätze von Andreas Zetzsche, Geschäftsführer der Lößnitz-Druck GmbH, Mitte Oktober, nachdem ART Dresden die Kundenreferenzen der Druckerei angeschrieben und über die geschäftlichen Beziehungen der Druckerei zur NPD informiert hatte. Es blieb dem NPD-Landtagsabgeordneten Jürgen W. Gansel vorbehalten in einer Erklärung nochmals herauszustellen, welche Bedeutung die "sächsische Hausdruckerei"(2) für die Partei hatte.
Herrn Zetzsche oblag es allerdings, die phantasievollste Rechtfertigungsgeschichte der vergangenen Jahre zu erzählen, warum Lößnitz-Druck in diesem Umfang die Herstellung neonazistischen Propagandamaterials unterstützte. War es zunächst eine "Bitte „aus den Reihen der Sächsischen Staatsregierung““(3) sollten dann die SPD und ausgerechnet Karl Nolle einen Aufruf gestartet haben, auch für die NPD zu drucken, damit Steuergeld in Sachsen bleibt und die Aufträge kontrolliert werden könnten.(4)

Vielleicht hätte er lieber seinen Außendienstmitarbeiter der die Kunden betreuenden Abteilung Kalkulation, Rex Förster, fragen sollen, weshalb die NPD ausgerechnet an die Tür von Lößnitz-Druck klopft. Dieser ist nicht nur eifriger Leser der NPD-Landtagsfraktions-Postille Klartext, sondern auch Anhänger des Vereins Heimattreue Deutsche Jugend e.V., der sich selbst "als „aktive, volks- und heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen im Alter von 7 bis 25 Jahren“"(5) versteht und "Zeltlager, Wanderungen und Feierstunden im Stil der Hitlerjugend."(6) organisiert. Ideologisch steht die HDJ der seit 1994 verbotenen "Wiking Jugend" (WJ) nahe. (siehe auch review 0307) "Erst vor wenigen Wochen verbot das Bundesinnenministerium HDJ-Mitgliedern das Tragen von Uniformen."(7)
Schon mehrfach tauchte Rex Förster mit seiner Familie bei solchen HDJ-Treffen, zuletzt auf dem Pfingstlager 2007 bei Eschede, auf.
Dass die NPD ausgerechnet bei Lößnitz-Druck "landete", dabei zuverlässig und aufmerksam betreut wurde, erscheint damit weder überraschend noch zufällig.

1 Sächsische Zeitung Dresdner Land, „Wirbel um NPD-
   Aufträge an Druckerei“, 23.10.2007

2 NPD-Dresden, „Boykott-Hetze gegen die sächsische NPD“
   eingesehen am 12.12.2007

3 Sächsische Zeitung Dresdner Land, 23.10.2007
4 ebenda, er verstieg sich gar zu der These Karl Nolle hätte
   in seinem
Druckhaus selbst für die NPD gedruckt, was zu
   Anwaltsaktivitäten führte. Dass Gansel in der NPD-
   Erklärung auf die haltlose gegen Nolle gerichtete
   Argumentation aufspringt macht deutlich, wie wenig Blick
   bei ihm für politische Realitäten besteht.

5 Freie Presse, „Geldhahn zu oder verbieten?“, 08.12.2007
6 ebd.
7 ebd.

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