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Tag der Sachsen in Sebnitz

Ein Tag Volksfest in der Sächsischen Schweiz

ART Dresden

„Die Leute sollen nach Sebnitz kommen und sich ein eigenes Bild machen. Wir sind froh, dass wir uns diese Gelegenheit erarbeiten konnten.“ So Mike Ruckh Oberbürgermeister der Stadt, die seit dem sogenannten "Fall Joseph" allgemein bekannt sein dürfte. Erstmals zog sich eine Bevölkerung nach öffentlicher Erwähnung von rechten Umtrieben nicht nur in die Schmollecke zurück, sondern ging in die Offensive. Unter kollektiver Anstrengung wurde die Familie Kantelberg Abdulla aus dem Ort geekelt und frech die Hand aufgehalten. Die Sächsische Staatsregierung pumpte Millionen in die Stadt, eine Imagekampagne pro Sebnitz wurde gestartet. Selbstzufrieden stellt der Oberbürgermeister im Interview mit einer Tageszeitung im Vorfeld des Tages der Sachsen fest: „Man muss sagen, dass in Sebnitz viel geschehen ist und die Medien dies auch begleitet haben.“ „Seit Wochen sind die Straßen und Häuser in Sebnitz geschmückt. Auch das eine oder andere Dach wurde im Vorfeld neu gedeckt, Fassaden gestrichen.“

Die Einladung annehmend, machten wir uns ein Bild. Und für war, äußerlich hat sich einiges getan in Sebnitz. Die damals psychologisch ach so angeknackste Bevölkerung hat den "Fall Joseph" noch nicht völlig verwunden. Mit sehr viel Fingerspitzengefühl war das Dr. Petzold Bad, dort wo Joseph Kantelberg Abdulla "ertrunken"(!) ist, das Kinderparadies am Tag der Sachsen. Um jede Erinnerung an die Ereignisse zu tilgen, wurde das Apothekenschild am ehemaligen Haus der Familie Kantelberg Abdulla in wunderschöne blaue Müllsäcke gehüllt und mit dickem braunen Klebeband verpackt.

Alles in allem bot der Tag der Sachsen ein peinliches Bild. Auch wenn sich hier und da ein paar Vereine vorgestellt haben, war es ein gewöhnliches Volksfest mit Bratwurst, Bier und Folklore. Die neuesten Trends, der Neonazimode wurden zur Schau getragen. Von „Blue Eyed Devils” bis “Hail McVeight 168:1” war alles zu bestaunen.
Auch die saufenden Nazis auf dem Marktplatz durften nicht fehlen, aber die stehen ja immer dort. Warum sollte es zum Tag der Sachsen denn anders sein?

"Die Masse der Bevölkerung ist uns wohl gesonnen!"
(Fritjof Richter über den Tag der Sachsen im Nationalen Forum)

Etwas an den Rand des Festgeländes gedrängt, ganz in der Nähe von kanonenschiessenden Südstaatenfreaks, befanden sich die Stände der NPD, der JLO und der Republikaner.
Es wurde zwar reichlich Infomaterial geboten, doch so richtig wollte sich niemand dafür interessieren. Dass sich die Masse der Bevölkerung darum gerissen hätte, wie es Fritjof Richter (Nationales Bündnis Dresden) behauptet, konnten wir wirklich nicht feststellen. Im Gegenteil, den vorbeigehenden Leuten wurden die Zeitungen aufgeschwatzt und wenn das nichts half, wurde es ihnen eben in den Rucksack gestopft. Wenigstens hatten die, manchmal doch etwas gelangweilt aussehenden Kameraden, musikalische Unterhaltung vom allseits bekannten Lautsprecherwagen des Jürgen Günz (GRH- HP 5).

Der „Schwarze Sonne Meißen e.V.“ hatte sich einen besseren Standort gesichert.
Direkt am Mittelaltermarkt, unter einer großen schwarzen Sonne verkauften u.a. Nils Reifenstein, bekannt von zahlreichen Neonazidemonstrationen in Dresden, die Edda und kleine Heftchen mit germanischen Kochrezepten. Darüber hinaus bot der Verein für germanische Brauchtumspflege den Leuten Met aus riesigen Hörnern an, das war dann aber auch schon alles, was das germanische Brauchtum zu bieten hatte.

"...den Leuten fehlten gegen unsere Argumente und MEHRHEIT die Worte. Wie so üblich, rissen selbst zwei Minister aus, da sie nicht fähig waren auf unsere Fragen zu antworten!"
(Fritjof Richter über den Tag der Sachsen im Nationalen Forum)

Kommen wir aber zu dem Höhepunkt des Tages - die Veranstaltung im Sachsen-Club unter dem Titel „Kampf den Verführern – Sind rechtsorientierte Organisationen eine Gefahr für Junge Leute?“
Allein der Titel zeigt die völlig verquere Herangehensweise an das Thema. Wieder sind es irgendwelche nicht greifbaren „Verführer“, die „unsere armen Jugendlichen“ zu Nazis machen. Eine rassistische Gesellschaft, die solches Denken produziert und es akzeptiert, wenn Menschen die nicht ins Bild passen von diesen „armen Jugendlichen“ angepöbelt und angegriffen werden, blieb unerwähnt.

Das Podium setzte sich zusammen aus Innenminister Horst Rasch (CDU), Sozialministerin Helma Orosz (CDU), dem innenpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Peter Adler und Jan Buruck von der Aktion Zivilcourage. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Chefredakteur der LVZ Hartwig Hochstein. Nachdem Herr Hochstein die Veranstaltung mit dem Satz eröffnete, dass es nun um ein ernstes Thema gehe (zuvor fanden schon zahlreiche Diskussionen um nicht minder ernste Themen statt) gab es die üblichen Eingangsstatements der Podiumsteilnehmer. Der Innenminister zitierte fast ausschließlich den Verfassungsschutzbericht, die Sozialministerin brachte das übliche Gefasel von Jugendarbeit als Patentrezept. Die Aktion Zivilcourage durfte erzählen wie erfolgreich der Aufstand der Anständigen verläuft und sich in der Sächsischen Schweiz so einiges geändert hätte. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass wir es wirklich schön finden, dass sich Jan wieder sicher fühlen kann in Pirna und Umgebung. Er kann sich glücklich schätzen, denn andere mussten diese ach so sichere Stadt verlassen, um nach jahrelangen Angriffen von Nazis und Bevölkerung, wieder ein einigermaßen sicheres Leben führen zu können.
Ca. 60 Leute waren gekommen, dieser Veranstaltung beizuwohnen, wovon knapp die Hälfte Nazis waren. Einige Vertreter des NPD- Bundesvorstands hatten an den Biertischen Platz genommen. Holger Apfel, stellvertretender Parteivorsitzender, Vorsitzender des Nationalen Bündnis Dresden, Geschäftsführer der Deutschen Stimme und Chefredakteur derselben; Stefan Rochow, Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten (JN); Jürgen W. Gansel, zuständig für Parteipresse und Publikationen im Parteivorstand; Jürgen Schön, ebenfalls stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD und Kreisverbandsvorsitzender Leipzig; Uwe Leichsenring, zuständig für die Koordinierung der Kommunalpolitik im Parteivorstand und Kreisgeschäftsführer des KV Sächsische Schweiz in Begleitung von Carmen Steglich, das tausendste NPD Mitglied und Alexander Delle, im Bundesvorstand für die Parteiorganisation verantwortlich.
Neben den jetzt schon erwähnten NPD Kreisverbänden Leipzig und Sächsische Schweiz, waren auch der Kreisverband Dresden, durch den Vorsitzenden Rene Despang und der Kreisverband Zwickau durch seinen Vorsitzenden Peter Klose vertreten. Johannes Müller als NPD-Stadtrat in Sebnitz und NPD-Kreisrat im Kreistag Sächsische Schweiz durfte natürlich ebenso wenig fehlen, wie Klaus Menzel, stellvertretender NPD- Landesvorsitzender Sachsen.
Selbstverständlich ließ sich die Junge Landsmannschaft Ostpreußen das Spektakel nicht entgehen, Alexander Kleber in der ersten Reihe und Elli Dobberstein, etwas am Rande machte wie immer lautstark auf sich aufmerksam.
Auch Sven Hagendorf aus Dresden und Tino Karsch aus der Sächsischen Schweiz waren gekommen.
Aber das absolute Highlight war die Anwesenheit des Kaspervereins aus Dresden, welcher sich da Nationales Bündnis Dresden nennt. Holger Apfel, als Vorsitzender dieses Vereins sei hier ein zweites mal genannt. Weitere Bündnis- Mitglieder die sich die Ehre gaben, waren Kerstin Lorenz, Landesvorsitzende der Republikaner Sachsen; Frank Rohleder, ehemaliger stellvertretender Bundesvorsitzender der REPs und Frithjof Richter, Kreisverbandsvorsitzender der REPs Dresden. Soweit zur Personenkonstellation im Sachsen-Club.

Die Veranstaltung unter diesen Bedingungen zu beginnen, konnte eigentlich nur zur Farce werden. Nun gut – die Veranstalter sahen das anders. Weder die Redner auf dem Podium, noch der Moderator gingen auch nur mit einer Silbe auf die Zusammensetzung des Publikums ein, sondern sie spulten einfach ihr geplantes Programm ab. Wie nicht anders zu erwarten, begannen die Nazis recht schnell zu pöbeln und zu johlen wie am Stammtisch. Der Moderator machte von Minute zu Minute immer mehr den Eindruck, überfordert und für diese Diskussion einfach ungeeignet zu sein.

Spätestens beim Thema gescheitertes NPD-Verbot konnte auf dem Podium niemand mehr ausreden. Wie nur sollte die Diskussion jetzt noch gerettet werden? Des Rätsels Lösung war ganz einfach und Innenminister Horst Rasch kam auch recht schnell darauf - Rederecht!
Er bot an, dass eine der pöbelnden Personen eine Statement abgibt, damit die Veranstaltung „gerettet“ werden kann. In ihrer Rage überhörten die Nazis dieses Angebot und brüllten wieder dagegen. Aber ein aufmerksamer Bürger war so freundlich und präzisierte es noch einmal: Derjenige, der am lautesten dazwischen ruft, soll doch einfach aufs Podium gehen und seine Argumente dort vorbringen dürfen. Gejohle im Saal und Zustimmung des Podiums. Holger Apfel, von seinem Glück ganz überrascht, musste von seinen Kameraden erst gedrängt werden, dieser Einladung zu folgen. Er bekam sein Stühlchen und ein Mikro. Nun bestand für die Nazis die Möglichkeit, die Veranstaltung zu übernehmen. Doch Apfel, rot angelaufen vor Wut war unfähig, diese Steilvorlage zu nutzen. Spulte er zunächst die üblichen Phrasen a la „Wir leben in einem Überwachungsstaat“ vor jetzt ruhigem Publikum ab, dauerte es keine zwei Minuten und er begann erneut zu brüllen und den anderen Podiumsteilnehmern ins Wort zu fallen. Dabei ausgerechnet dem rechten Sozi Peter Adler, einem der energischsten Vorkämpfer für die Polizeisonderkommission „MAG“ (Militante autonome Gewalttäter) vorzuwerfen, auch er würde linke Gewalt tolerieren, war nicht nur unpassend, es zeigt das Unwissen eines Apfel.

Adler echaufierte sich darüber und Rasch und Orosz, die die gesamte Zeit nix mehr zu melden hatte, nutzen die Gunst der Minute und verließen daraufhin das Podium. Der Moderator beendete die Veranstaltung. Apfel laberte derweil weiter davon, dass die Volksvertreter nicht willens und nicht fähig seien zu diskutieren.
Nun ja wir hatten eher den Eindruck, dass die Veranstaltung über die volle Länge gegangen wäre – mit dem Nazi Apfel auf dem Podium. Durch sein zum Glück so blödsinniges Diskussionsverhalten und das Stammtischbenehmen der meisten Nazis im Saal, haben sie sich die Möglichkeit, die Veranstaltung zu übernehmen selbst verdorben.

 
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